HSCS


HSCS steht für Hofherr-Schrantz-Clayton-Shuttleworth, eine Zusammenschließung des österreichischen Landmaschinenherstellers Hofherr-Schrantz und des englischen Motorenbauers Clayton-Shuttleworth. Die Firma HSCS ist hauptsächlich durch ihre einzylindrigen Glühkopftraktoren, die den deutschen Lanz-Glühkopftraktoren ähneln, bekannt geworden.

Ich möchte auch hervorheben, dass es sich bis 1938 weder um Lanz Lizenzbauten noch um Lanz Nachbildungen handelt, sondern um die direkte Konkurrenz zu "Heinrich Lanz Mannheim". Die Ähnlichkeit der Funktionsweise resultiert aus dem damaligen "Stand der Technik", dem liegenden Einzylinder 2-takt Diesel mit Glühkopf. So wie schon zuvor, die Lokomobile sämtlicher Hersteller sich sehr ähnlich waren.

Heinrich Lanz Mannheim übernahm 1938 die Mehrheit der HSCS-Aktien und verlagerte einen Teil seiner Produktion in das österreichische Werk, wodurch sich für das HSCS-Werk in Budapest und somit für den Traktorenbau kaum Änderungen ergaben.

1948 wurde das HSCS-Werk in Budapest von der Regierung Rákosi verstaatlicht, die Produktion lief weiter unter dem Namen "Vörös Csillag Traktorgyár (Traktorenfabrick Roter Stern).

1969 fand ein Zusammenschluß mit dem Trauzl-Werk statt, worauf ein Jahr später der Aufkauf durch die Böhler-Werke folgte.

Eine ausführliche Firmengeschichte gibt es auch unter www.gluehkopfbulldog.de

 

Technische Daten

 

Die Beschaffung

Es sei gesagt, das nach dem 2. Weltkrieg sämtliche Traktoren von den Kommunisten zur Rohstoffgewinnung eingeschmolzen wurden. Dies bedeutet, das ein "echter HSCS", ein sehr seltenes und teures Sammlerobjekt darstellt. Gerüchten nach existieren noch (abgesehen von Exportmodellen) vereinzelnde Modelle in Ungarn, die von ihren damaligen Besitzern eingefettet und vergraben wurden.

 

Die Alternative

Alternativ steht hier und da noch ein "Roter Stern" Traktor der auf seine restaurierung wartet. Sie sind zum einen recht erschwinglich und sie haben durch ihre fast unveränderte Bauweise am 40er Jahre Flair nichts verloren. Wesentlicher Unterschied zwischen dem Vorkriegs HSCS/G-35 und dem Nachkriegs Roter Stern/GS-35 ist der Gusskolben vom HSCS und der Alukolben des Roten Sterns, was eine höhere Standgasdrehzahl beim Roten Stern zur Folge hat.

 

Hürden der Restauration

Die Restaurierung eines Ungarischen Schleppers gestaltet sich aus folgenden Gründen als schwierig.

  1. Es gibt so gut wie keine reproduzierten Teile, wie z.B. bei Lanz und bei Deutz
  2. Wer Traktoren oder Ersatzteile besitzt, ist sich über deren Rarität und Wert bewusst
  3. Eine Ausführung aus Ungarn, eines historischen Fahrzeugs, ist sehr schwierig und läuft meist nur mit Beziehungen ab
  4. Da die "Deutscheindustrienorm" im Osten nicht zu tragen kam, befinden sich an den Schleppern die skurielsten und unterschiedlichsten Gewinde und Lagergrößen
  5. Die original Literatur des HSCS-Werk in Budapest wurde Gerüchten nach vernichtet. Eine Beschaffung von Handbüchern, Reperatur- und Bedienungsanleitungen ist deshalb zeitraubend, schwierig und eine Übersetzung mühselig. Wobei erwähnt werden muss, dass "Exportliteratur" in Englisch existiert.
  6. Durch die verstaatlichung wurde die Wartung der meisten Traktoren schwer vernachlässigt, was bei jahrelangem harten Arbeitseinsatz zu einem verherenden Zustand führte. Ich habe von Traktoren gehört, deren Lenkung mit einem Seil fixiert wurde und Nächte lang Führerlos im Kreis liefen, weil sie massive Start- und Kupplungprobleme hatten.


Interessantes

"Der Verräter"
Die für den Kriegszweck eingesetzten HSCS-Schlepper, hatten den namen "Verräter".Verständlich, es gestaltet sich auch als äußerst schwierig, mit einem großvolumigen Glühkopf unbemerkt Material an die Front zu schaffen.

"Der Größte!"
Was nicht jeder wußte, HSCS baute mit dem K-50 den größten Einzylinder-Glühkopf-Traktor der Welt in serie (14,8 liter Hubraum!!!!!!)

"HSCS weggeschliffen"
Nach der Verstaatlichung und Umbenennung von HSCS auf Vörös Csillag Traktorgyár wurden noch von 1948 bis 1950 die noch vorhandenen HSCS-Stirnplatten verbaut, es wurden lediglich die Buchstaben HSCS weggeschliffen. Erst 1950 wurden neue Stirnplatten gegossen, diesmal ohne Buchstaben, dafür mit einer Fläche für das neue Firmenschild.

"Der letzte Glühkopf "
Mit dem TS-35 wurden 1985 die allerletzen Glühkopf Traktoren der Welt gebaut (Bis auf die polnischen Lanz nachbauten).
Ein Wiederbelebungsversuch einer Budapester Firma (Ich bin noch am recherchieren), es wurden nur fünf Traktoren gebaut, davon existieren Gerüchten nach noch drei Stück (einen davon habe ich für euch in Budapest fotografiert).
Der TS-35 basiert auf dem GS-35 und unterscheidet sich nur durch seine Verkleidung.

 

"Das Wiener HSCS-Werk"
Fakten über das längst vergessene Wiener HSCS Werk:
Neben der Produktion von Landmaschinen und Traktoren wurden auch Maschinen für die Papierindustrie angefertig.

Die Wiener HSCS-Fabrik (der "Stolz von Wien") erstreckte sich über 202500m², besaß ein eigenes Kraftwerk mit 1700PS, produzierte mit über 1600 Werkzeug- und Arbeitsmaschinen, besaß die größte Gieserei Österreichs und beschäftigte zeitweise 320 Angestellte und 2500 Arbeiter.
Leider habe ich nur ein einziges Bild vom Wiener Werk, wer also Infos und Bilder hat bitte melden.


"Porsche-HSCS"
Die nach dem Krieg von den Böhler-Werken aufgekaufte österreichische-Hofherr-Schranz-Werke produzierten in Lizenz den kleinen allgeier/Porsche-Junior als Hofherr-Schranz, die meisten Teile kamen aus Deutschland nur Achsen und Gehäuseteile wurden in Wien gefertigt, aber genaueres weiß ich auch nicht über die kleinen roten Flitzer.